Präambel:
Aufgrund der eidgenössischen Volksabstimmung am 28. Februar über die "Spekulationsstopp-Initiative" haben wir unsere Ansicht zur Spekulation im folgenden Artikel zusammengefasst:


Spekulanten = Preis-Stabilität und Markt-Liquidität

von Max Strässle

Der freie Handel auf Nahrungsmittel wird zunehmend mit fragwürdigen Argumenten in die Schmuddelecke geschoben. Der Vorwurf: Spekulanten beeinflussen mit Terminkontrakten (Futures) die Preise. Wer sich Zeit nimmt, die Preisbildungsmechanismen zu verstehen, kommt zu einem gegensätzlichen Schluss.

Grundsätzlich verpflichten Terminkontrakte auf Rohstoffe zu einer physischen Lieferung (short=Kontrakt verkaufen) bzw. Bezug der Ware (long=Kontrakt kaufen). Kommerzielle Marktteilnehmer können sich gegen sinkende Preise absichern oder ihre Ernteerträge in der Zukunft erhöhen. Physisch abgegolten wird der Terminkontrakt ab dem „First notice day“, bzw. alle noch offenen Kontrakte werden ab diesem Tag physisch geliefert. Spekulanten sind gezwungen ihre Positionen vor diesem Zeitpunkt glattstellen. Sie handeln ohne Interesse an einem physischen Besitz des Rohstoffes und suchen Kursopportunitäten. Darum relativiert sich ihre Position von selber. Kurzfristig bzw. bis zum nächsten „First notice day“ (bsp. beim Weizen alle 1.5 Monate) können Preise durch Spekulanten beeinflusst werden, ab jedem „First notice day“ bzw. langfristig können Spekulanten aber keinen Einfluss haben, da schlussendlich die letzten „Gegenparteien“ kommerzielle Marktteilnehmer sind die den Rohstoff beziehen oder liefern.

Der Terminmarkt orientiert sich nach Angebot und Nachfrage und sicherlich nicht nach den Positionen von den Spekulanten. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Rohstoffboom im Jahre 2008. Viele Rohstoffe wurden stark nachgefragt, was unter anderem möglicherweise auch durch die hohe Liquidität der Investoren (Spekulanten) beeinflusst wurde. In der Folge davon entstand eine Angebotsausweitung und die Preise fielen wieder deutlich, ein weiteres Indiz, dass Preisübertreibungen nicht nachhaltig sind. Zudem ist es erwiesen, dass Spekulanten sich stabilisierend auf den Preis auswirken, da die höhere Liquidität zu stabileren Preisen führen und sich kommerzielle Marktteilnehmer effizienter absichern können. Ein Beispiel dafür ist der ehemalige Zwiebelfuture der 1958 aufgrund von Manipulationen verursachte Blasenbildung und das darauffolgende platzen (August 1955 2.56$ pro 23kg Zwiebeln – März 1956 auf 10 cents) von der Chicago Mercantile Exchange (CME) verbannt wurde. Eine erste ökonomische Studie aus den 1960er Jahren kam zum Schluss, dass die Zwiebelpreise ohne Terminmärkte noch volatiler wurden (vgl. Grafik). Eine weitere Studie aus dem Jahr 2007 kam ebenfalls zum Schluss, „dass Terminmärkte systematisch mit einer niedrigeren Volatilität von Rohwarenpreisen in Verbindung stünden.“

Spekulieren auf Agrarprodukte reduziert Volatilität und gewährlisten einen liquiden Handel. Langfristig haben Spekulanten keinen Einfluss auf den Preis.

Wie auf der Grafik klar erkennbar, wurde der Preis für amerikanische Zwiebeln deutlich volatiler nachdem Terminkontrakte (Futures) verboten wurden.

Beim Berliner Weizen steig der Preis sogar um 40% auf ein Allzeithoch, nachdem Terminkontrakte (Futures) verboten wurden.

Es wäre polemisch zu behaupten, dass angeblich massenhafte Kaufen von Terminkontrakten für Preishöchststände verantwortlich seien!


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